Gedichte
Das Geheimnis des Meeres
 


Er schaute aus der kleinen Dachluke seines Zimmers
hinaus in die Weite.
Die Enge des Raumes bedrückte ihn.
Er atmete tief, nahm seinen Hut, ließ die Tür ins Schloss fallen
und trat hinaus, um frische Luft einzuatmen.
Er  floh zu den verlassenen Vierteln der Stadt,
in der Hoffnung der Melodie seines Stolzes zu begegnen
und eine Adresse zu finden,
an die er sich anlehnen kann.
 
Nacht für Nacht pflegte er zu einem Cafe zu schlendern,
welches auf dem Gipfel eines Berges lag.
Im Cafe setzte er sich  gewöhnlich in eine Ecke
und blickte auf das darunter liegende Meer.
 
In jener Vollmondnacht verabschiedete er sich von seiner Mutter
und von seinem Bett. Sie umarmten und küssten sich,
bevor er das Haus verließ.
Dann verschwand er.
 
Seine  Füße führten ihn wieder die Anhöhe hinauf.
In der gleichen Ecke saß er.
Und während er auf seinen Kaffee wartete,
zündete er eine Zigarette an und ließ seine Gedanken schweifen.
Die Glut der Zigarette fügte ihm Schmerzen zu.
Er sprang auf und ging hinunter zum Strand.
 
Ruhig war es, das Meer schlief.
Er zog sich aus und ging ins Wasser –
und das Meer wurde aus seinem Schlaf gerissen.
 
Tag für Tag pflegte sie zu einem Cafe zu schlendern,
das auf dem Gipfel eines Berges lag …
 

 



Begegnung der Fremden

Er saß auf der Schwelle des Herbstes und wartete auf den Traum.
Das Meer verweilte im Sand und wartete auf das Echo der Wellen.

Ein geduldiger Felsen am Strand,
der nur mit seinem Schatten spricht,
hält sich fern vom Spott der Zeit.

Und der Herbst wartet auf einen Schwarm von Vögeln,
die sich nach dem Süden der Erde sehnen.

Der Fremde suchte nach seiner Geschichte in der Verschmelzung
des Kaffees mit dem Kardamom.

Die Farbe der Fremde überraschte ihn,
auch seine vergangenen Erinnerungen.

Aber der Traum hat keine Farbe,
keine Religion.

Und die Liebenden der Erde mussten hinter ihrem Schatten
nach den Wurzeln suchen, um die Last des Reisens zu mildern.
Sie mussten auf die Sehnsucht warten,
die verschwand und zurückkam, um ihre Reise fortzusetzen,
jenseits des Traumes in Richtung September.

Und der Fremde kehrte zu sich zurück.

Er war müde aus lauter Sehnsucht nach seinem Schatten,
nach der Stimme der Vögel,
nach dem immer mehr staubenden Gedächtnis
und nach der Frage:

Wie breit ist die Fremde?
Wie schmal ist die Grenze?
Und wie fremd ist unsere Sprache?

Nimm mich bis ans Ende der Sehnsucht

Wenn sich meine Schritte
unterwegs verirrt haben
und mein Herz aus lauter Verwirrung
ein wenig verweilen möchte,
nimm mich ganz fest in deine Arme
und lass mich das Zittern meiner Glieder
und all meiner Namen vergessen.

Nimm mich,
damit ich in keine Richtung fliege.
Warte auf mich,
bis ich ankomme,
und tanze zeitlos um mich herum.

Und wenn ich komme,
verlass deine Grenzen,
lass die Schwerfälligkeit des Raumes sein
und lass uns mit dem Winde verreisen,

bis ans Ende der Sehnsucht.