Presse


http://www1.wdr.de/mediathek/av/audio------210.html


„Kultur in Aremberg“ 

Nachbetrachtung zur Lesung mit Konzert am 3. Mai 2015

                                                                                     Hans Landsberg

Menschen waren immer schon und überall in der Welt unterwegs, aus den unterschiedlichsten Gründen, und sind es noch, mal freiwillig, mal gezwungenermaßen. Sie waren und sind anderswo zunächst fremd. Sie müssen sich meist mit einer neuen Sprache auseinandersetzen, sind mit neuen Verhaltensweisen und Denkmustern konfrontiert, einer fremden Kultur, einer anderen Gesellschaftsordnung, oft auch einer anderen Religion. Das stellt große Herausforderungen für die persönliche und kulturelle Identität dar. Wer schließlich „ankommt“, hat meist schmerzvolle Erfahrungen gemacht, aber auch bereichernde. Die neue, veränderte Identität – ohnehin kein statischer Zustand, sondern ein Prozess – wird im besten Fall dann als ein ganz besonderer Schatz erlebt, mit dem auch immer wieder gerungen wird.

Dieses Ringen, diese Auseinandersetzung spiegelt sich auch in der Kunst der Migranten und Migrantinnen wider, so auch in der Poesie von Saleh Srouji (www.saleh-srouji.de), Palästinenser aus Nazareth, promovierte Orientalist, von seiner Passion her aber Poet und Schriftsteller, als solcher im Nahen Osten und in etlichen Ländern Europas bekannt. Nach einer Lesung kürzlich in Paris und anderen großen Städten war er nun im eher beschaulichen Aremberg im Oberen Ahrtal zu Gast und hat der „Kultur in Aremberg“ neben der Kammermusik in St. Nikolaus und anderen Veranstaltungen ein neues Kapitel hinzugefügt, wovon 62 Personen am 3. Mai bei einer Lesung mit Konzert in der „Burgschänke“ in Aremberg Zeuge geworden sind.

Mit großem Interesse und begeisterter Anerkennung würdigten sie die wunderbare Dichtung von Saleh Srouji, die um die Themen „das Fremde“ und „die Entfremdung“ kreist, um die Frage nach der eigenen Identität und ihren Brüchen und Weiterentwicklungen, um teilweise leidvolle wie auch beglückende Entwicklungen, auch um das Gelingen der Liebe.

Der programmatische Titel der Veranstaltung „Jenseits der Fremde“ lud ein, auf das und hinter das Fremde zu schauen, in es hinein, es zu verstehen und anzunehmen. Der Blick auf das Fremde und den Fremden ist immer auch wie ein Blick in den Spiegel, der der Selbsterkenntnis dient. Im besten Fall hebt er Trennung auf und schafft Verbindendes – zwischen den Menschen, den Kulturen und Religionen, so wie Saleh Srouji es selbst sieht. Dass dies gerade heute nottut, dass dies das Gebot der Stunde, machen die täglichen Nachrichten in den Medien mehr als deutlich.

Die Texte, von Saleh Srouji in der arabischen Sprache (für manche Ohren erotisch klingenden) Sprache vorgetragen, wurden von der renommierten Schauspielerin Christiane Sturm (www.christianesturm.de) im Deutschen rezitiert, auf eine ebenso einfühlsame Weise, wie sie Saleh Srouji zu eigen ist. Man darf mit Fug und Recht behaupten, die Poesie hat verzaubert.

Dazu beigetragen hat auch die einfühlsame Oud-Musik von Haitham Habeeb (ebenfalls Palästinenser aus der Gegend von Nazareth), der die Lesung mit Improvisationen und eigenen Solostücken untermalt hat, der die Gefühle erklingen ließ, ihnen Raum und Gestalt verlieh, tief berührt hat. Manch einer der Zuhörer gestand hinterher, „eine (oder auch mehrere) Träne(n) verdrückt“ zu haben.

Was einige zum Ausdruck gebracht haben, äußerte einer der Gäste, der bekannte Maler Michael Franke (www.michaelfranke.eu), beispielhaft mit folgenden Worten:

„Was Saleh Srouji als Exempel einer wunderschönen Darbietung von deutsch-arabischer Poesie geliefert hat, ist nicht nur ein Zeugnis von einer künstlerisch überzeugenden und atemberaubend schönen Darstellung sowohl was die Sprache anbetrifft als auch die Bilder; sondern es geht hier auch um eine politische Botschaft sofern man etwas politisch nennen kann, was eigentlich mit dem tief humanistischen Gedanken einer Verbindung zwischen den Menschen zu tun hat. Es geht um die Gedanken, dass alle Menschen vereint sind in ihrer Religion, in ihrem Glauben etwas darstellen, was durch eine größere Kraft verbunden wird, durch eine größere Vision von Gott selbst als die, die sich in den einzelnen Konfessionen zeigt. Und von daher fand ich diese Darstellung ungeheuer beeindruckend, weil sie in diesem kleinen Rahmen der Dorfschänke von Aremberg etwas ungemein Großes geboten hat. Und dieser Kontrast zwischen dem Großen und dem ganz Privaten machte das sehr Reizvolle dieser besonderen Veranstaltung aus, der man nicht nur weiterhin Erfolg wünschen sollte, sondern auch die Hoffnung, dass von diesem Impuls ein Flächenbrand im positiven Sinne ausgeht, ein Gedanke der Brüderschaft, Verquickung und Verbindung zwischen den Menschen, mit den Worten von Saleh Srouji, bei dem alle von einer Mutter abstammen, alle von der gleichen Brust eins gesaugt haben.“


Frankreich - 07. Februar 2015

text in arabisch: siehe Entrance - Arabic

 

Himmelskiste

Mit seinem Gedicht „Ab jetzt kein Staub mehr“ hat der Autor Dr. Saleh Khalil Srouji zur Herstellung die CD Himmelskiste beigetragen.

„Wenn das Leben sich auf dem Seil des Windes die Tränen trocknet und wieder ungeduldig, staubfrei, zu flattern beginnt, dann steigt der Ton einer Klarinette hoch auf; Geige und Klavier ihre fliegenden Begleiter.

Saleh Khalil Srouji, als Literaturwissenschaftler würde mit kühlem Kopf sagen, das Gedicht, wenn es einmal veröffentlicht ist, ist frei vom Dichter; als Dichter würde er den Ton mit fiebrigem Herzen begleiten. Saleh ist beides und balanciert in seiner Dichtung- in arabisch und deutsch- kunstvoll auf diesem dünnen glühenden Faden“.

Dr. Christian Geißendörfer

Die „Himmelskiste“, benannt nach dem gleichnamigen Gemälde des Erlanger Malers Michael Engelhardt, wurde zuhause privat aufgenommen, schließlich mit professioneller Hilfe durchgesehen und gedruckt. Am Anfang jedoch standen gemeinsame Eindrücke, Gespräche und geduldiges Proben, um wieder einmal einen geeigneten, und vielleicht interessanten musikalischen Weg zu finden.

Herzlicher Dank gilt den Gastmusikern- in Musikschulen, Ensembles, Orchestern oder im Theater sind sie mit ganz anderen Themen befasst-, die nach einer Anfrage oder einem Liedbeispiel kurzerhand bereit waren, mitzuwirken: für einen Apfel und ein Ei.

Mit der aktuellen Musik unterstützt das Windstill-Ensemble wieder die hochfränkische Kinderkrebshilfe und Hilfe für Kinder mit schweren chronischen Erkrankungen, Amal- Stiftung, Hof (www.kinderkrebshilfe-hochfranken.de); freiwillige Spenden auf das dort angegebene Konto sind gerne möglich.

Eine CD kostet 14.--€ (bitte um Überweisung auf o. g. Konto); Bestellungen oder Anfragen richten Sie gerne an mich. Der Betrag wird an die Stiftung weitergeleitet. Mehr zu unserer Musik finden Sie unter www.christian-geissendoerfer.de.

Wir freuen uns also doppelt, wenn Ihnen etwas aus der Musik gefällt und spielen weiterhin- live oder „vom Band“- kostenlos, aber nicht ganz umsonst.

Dr. Christian Geißendörfer

e-mail : christian.geissendoerfer@t-online.de

www.christian-geissendoerfer.de

HypoVereinsbank Selb, KtNr: 1310176113 ; BLZ: 78020070

Der palästrinensische Poet Saleh Srouji verbindet in seinen Gedichten zwischen der deutschen und arabischen Sprache.

text in arabisch: siehe Entrance - Arabic

"WELCHE FARBE TRÄGT DEIN HERZ "

Eröffnung des Café Palestine Colonia

am 20. Mai 2012, 12-15 Uhr Der Raum im ersten Stock des

 " Allerweltshauses in Köln" zum Teil von weit her."

Fotos: von Sabine Yacoub Texte: Anis Hamadeh

Eröffnungswort von  Suraya Hoffmann,
Gründerin des Projekts

Dr.Saleh Srouji aus Hollfeld liest Gedichte auf Deutsch und
 Arabisch
 aus seinem Buch/CD "Zwischen Hier und Dort"
zu arabischen
 Klängen des Oud-Spielers Samir Mansour
 aus Stuttgart.



Saleh Srouji und Christiane Sturm lesen,
Hakam Abdel-Hadi nimmt auf.



Samir  Mansour ist ein Meister seines Fachs
 (das er auch unterrichtet). Präzise Rhythmen, inspirierende
Melodien und manchmal singt er auch.




Hakam Abdel-Hadi liest aus seinem
 noch nicht erschienenen neuen Buch.


Anis Hamadeh (Anis Online) aus Mainz stellt sein neues
 Manuskript "Palästina-Anthologie" vor und einige seiner
 Palästina- und Köln-Zeichnungen.


Suraya Hoffmann sagt Danke.

Eröffnung des Cafe Palestine Colonia
Welche Farbe trägt Dein Herz

Endlich gibt es - neben Cafe Palestine in Freiburg - seit dem 20. Mai 2012 auch in Köln einen Ort des Austausches und der Präsentation von Kunst und Kultur eines Volkes, das seinen Namen durch den Überlebenskampf verliehen bekam: die Palästinenser. Männer, junge, alte, Frauen, Kinder, Jugendliche, Ärzte, Bäcker, Bauern, Musiker. Palästina ist ein winziges Fleckchen auf dem Globus, ein trillardstel Staubkorn im Orbit. Ebenso ein Staubkorn wie viele andere Nationen und Gemeinschaften, in denen Menschen friedlich zusammenleben wollen. Am vergangenen Sonntag war es soweit. Das Cafe Palestine Colonia öffnete seine Türen.
„Wenn hier in Deutschland von Palästina die Rede ist, dann wird meist nur das tragische Schicksal der Palästinenser diskutiert. Dass die Palästinenser auch eine hohe Kultur haben, mit Literatur, Malerei, Musik und vielem mehr, ist in der deutschen Öffentlichkeit kaum bekannt. Das neue Café Palestine Colonia hat sich daher zur Aufgabe gemacht, die kulturellen und künstlerischen Hintergründe Palästinas in den Vordergrund zu rücken. Dabei geht es zum einen um die Situation in Palästina selbst, zum anderen um palästinensische Kunst und Kultur in Deutschland – und speziell im Kölner Raum. Die politische Lage soll dabei natürlich nicht außer Acht gelassen werden.“ Mit diesen Worten begrüßt die Gründerin Suraya Hoffmann die weit über die aus der Kölner Region hinaus anströmenden Gäste.


Samir Mansour begleitet Saleh Khalil Srouji auf der Oud


Aus Süddeutschland, genauer Oberfranken gekommen ist der in Nazareth geborene und seit 1981 in Deutschland lebende Autor Saleh Khalil Srouji, um eine Kostprobe seiner literarischen Texte zu lesen, die von der Bonner Schauspielerin Christiane Sturm auf Deutsch vorgetragen werden. Begleitet wird die deutsch-arabische Vorstellung durch den international
bekannten Musiker Samir Mansour auf der Oud, einer arabischen Laute mit sechs Saiten, in Quarten gestimmt - Großmutter der Gitarre. Saleh Khalil Srouji und der aus Damaskus stammende, in der Nähe von Stuttgart lebende Samir Mansour sind ein eingespieltes Team. Neben einigen instrumentalen Solostücken überträgt der Musiker einen Teil des deutschen Textes in arabischsprachigen Gesang. „Die Liebe, wie eine leichte Feder, kennt keine Farbe. Welche Farbe trägt Dein Herz?“, heißt es in Sroujis Lyrikband „Jenseits der Fremde“. Dort führt er aus: „Die Botschaft der Literatur und der Kunst war, ist und wird immer eine Botschaft der unermüdlichen Suche nach einem menschwürdigen Dasein in all seinen Facetten sein. Ich versuche durch meine Poesie eine Stimme in die Welt hallen zu lassen, eine Stimme der Freiheit, des Friedens und nicht zuletzt der Liebe – die höchste aller Anstrebungen der menschlichen Seele.“

Obwohl er als Kabarettist das gesamte Programm des Nachmittages problemlos hätte bestreiten können, beschränkt sich der aus Mainz angereiste Künstler Anis Hamadeh diesmal auf die Vorstellung seines neuen Manuskriptes, der "Palästina-Anthologie". Dann zeigt er Zeichnungen und Fotobearbeitungen mit Motiven aus Köln und Palästina. Anis unterstützt das Kölner Café Palestine auch als Webmaster und ist hierüber mit seiner Website anis-online.de verbunden. Den LeserInnen der Neuen Rheinischen Zeitung, NRhZ-online, ist Anis kein Unbekannter. Anfang des Monats präsentierte er sich in Ausgabe Nr.352 mit der Fotogalerie „Der Fall Palästina neu aufgerollt“.

Hakam Abdel-Hadi, Journalist und Romancier: „Ich werde öfter kommen…“
Ernstes und Heiteres, ja Fröhliches trägt der ehemalige Rundfunkjournalist der Deutschen Welle, Hakam Abdel-Hadi, bei. „Ich freue mich hier zu sein und gratuliere zu diesem neuen Café. In seinem Buch "Der hungrige Suleiman: Vom Lachen und Weinen in Palästina" geht es um die Erzählung der Geschichte eines Familienoberhauptes und gleichzeitig um ein Stück palästinensischer Geschichte. Dies sei sowohl individuelle Geschichte als auch gesellschaftliches Zusammenspiel, Politik. Der Ausschnitt, den Abdel-Hadi liest, ist ein historischer Moment von 1918, „da hatten wir noch kein palästinensisches Problem und kein Israel-Problem“. Der damals siebenjährige Suleiman erfährt von seinem Vater, dass er – wie die Juden – zum Volk der Semiten gehört, deren verschiedene Stämme den gemeinsamen Großvater Abraham haben. „Genau wie Du und ich sind die Juden beschnitten und essen auch kein Schweinefleisch.“ Suleiman fragt: „Ist das wahr, Papa, was ich in der Schule gehört habe, dass die Juden unser Land stehlen wollen?“ „Dummes Zeug“, antwortet der Vater, „es ist einfach so, dass sie, so wie wir das tun, dieses Land lieben, weil ihre Wurzeln hier liegen.“


Viele weitere „BrückenbauerInnen“ bewegen sich nach dem Vortragsteil Gespräche knüpfend unter die kalte und warme Köstlichkeiten der palästinensischen Küche genießenden Gäste. So die in Bensberg lebende Judaistin Dr. Annelise Butterweck, die ihr Hebräisch-Studium teils in Jerusalem und teils am Martin-Buber-Institut in Köln absolvierte. Ihre Reiseberichte von mehr als einem Jahrzehnt, von „elf und einem Jahr“ sind unter dem Titel „Unterwegs zu den Menschen“ 2011 im Berliner AphorismA Verlag erschienen. Gemeinsam mit den Kölner Frauen in Schwarz unterstützt sie das Jahalin-Beduinen-Projekt am Rande von Ost-Jerusalem. Butterweck initiierte mehrere deutsch-palästinensische Partnerschaften und zeigt sich enttäuscht von der antipalästinensischen Haltung der Kölner Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

Saleh Khalil Srouji, der in Bamberg Amerikanistik, Anglistik und Völkerkunde studierte und in Berlin in Arabistik und Islamwissenschaft promovierte, berichtet von der Einschränkung der palästinensischen Kultur durch die Abwesenheit des Friedens: „Israel zählt die Gebiete von 1967 zu Groß-Israel und gestattet den Palästinensern den Aufenthalt auf ihrem Boden. Israel will die Palästinenser nicht als Volk mit einem gemeinsamen Gedächtnis und einer klar umrissenen Identität wahrnehmen.“ Er beschreibt drei verschiedene Lebenssituationen. Die in den besetzten Gebieten, eine weitere in Ost-Jerusalem, die israelischem Recht unterliegen und schließlich die im „abgeriegelten Gazastreifen“. Eine gemeinsame Entwicklung werde somit für die palästinensische Gesellschaft immer schwieriger. Es mangele nicht an Künstlern und Kulturschaffenden, wohl aber an Infrastruktur. Ohne ausländische Unterstützung sei vieles undenkbar. Ramallah sei zur Kulturhauptstadt der palästinensischen Gebiete geworden, in denen ein multikulturelles Leben von Film- bis Theaterfestivals stattfinde. All dies solle aber nicht über die drastischen Beschränkungen hinwegtäuschen. Mit anderen Worten ist dies ein Friedensaufruf der besonderen Art, nämlich in einer westlich orientierten Zivilgesellschaft kulturelle Unterdrückung nicht hinzunehmen. „Wir“ stünden vor der großen Herausforderung, unsere Gesellschaft umzuformen und zu gestalten.

Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann – 27.05.2012

Fotos: arbeiterfotografie.com, Klaus Franke

Neue Rheinische Zeitung 27.05.2012: Eröffnung des Cafe Palestine Colonia: 

Welche Farbe trägt Dein Herz. Von Anneliese Fikentscher und 

Andreas Neumann (mit Fotos)

Dr. Saleh Srouji 

Amal Murkus singt das Gedicht
 "Sie warten auf die Sonne"
von Saleh Srouji
text in arabisch: siehe Entrance - Arabic
06.04.2012 

 Fränkischer Tag

 erschienen am 31.12.2011

Sprache als Brücke zwischen den Menschen



Migranten-Serie – Während eines Urlaubs hat der palästinensische Schriftsteller Saleh Khalil Srouji Deutschland für sich entdeckt und ist hier geblieben. Um das Verständnis für andere Kulturen zu fördern, dichtet er sowohl in Deutsch als auch in Arabisch: „Beim Schreiben genieße ich mancherlei Freiheiten: Mal schreibe ich von links nach rechts und mal von rechts nach links. In der Mitte vermischen sich dann die Sprachen und kommen sich näher.“

Hollfeld – das Haus von Saleh Khalil Srouji ist farbenfroh eingerichtet und bietet damit einen starken Kontrast zu dem grauen Wetter draußen. Auf dem Tisch stehen dampfender Tee sowie Lebkuchen bereit. Über dem Sofa hängt ein großes Bild, das die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Es ist in warmen Sandfarben gehalten, weiße Häuser gruppieren sich zu einer Stadtansicht – dazwischen ragen Palmen hervor. Ein Hinweis auf die Herkunft des Hausherrn. Der Dichter und Schriftsteller Saleh Khalil Srouji wurde 1954 in Nazareth geboren und gehört zu der palästinensischen Minderheit in Israel. „Wir werden in vielen Bereichen des Lebens dort diskriminiert“, erklärte er. Vor allem bestimmte Studienplätze würden bevorzugt an Juden vergeben. Er beschreibt das Ganze als ein „großes Gefängnis“, in dem man nicht richtig atmen könne. Die schwierige politische Lage ist allgegenwärtig und lässt einen nie zur Ruhe kommen. In seinen späteren literarischen Arbeiten verarbeitet er diese Eindrücke. In einem Gedicht mit dem Titel „Jerusalem“ heißt es: „Jerusalem ist der Traum – noch hat die Stadt zwei zerkratzte Gesichter.“ Es gibt jedoch auch Hoffnung und so schreibt er demzufolge: „Doch schon jetzt wehen die Flaggen überall grenzenlos und frei.“ Zunächst aber ließ die Hoffnung auf sich warten. „Als junger Mensch musste ich von dort weg, um endlich eine gewisse Freiheit genießen zu können“, sagt er und fügt hinzu: „Außerdem wollte ich mich zum ersten Mal aufs Studium konzentrieren können.“ In Israel ist das Studium sehr teuer und Saleh Khalil Srouji musste beständig nebenher arbeiten, um es zu finanzieren. Als er 1981 einen Freund in Bochum besucht, ergreift er die Gelegenheit und bleibt dort. Für seine Familie war das zunächst nicht einfach – vor allem nachdem der Vater bereits gestorben war. „In der arabischen Familienstruktur hat man als ältester Sohn sehr viel Verantwortung“, sagt Saleh Khalil Srouji. Aber er sei schon immer ein Querkopf gewesen und wollte seinen eigenen Weg gehen: In Deutschland jedoch leidet er zunächst unter Zweifeln, ob diese Land die richtige Wahl sei. Für einen der viel „Licht und Sonne“ braucht, ist das manchmal düstere und kalte Wetter eine große Umstellung. Außerdem hatte man ihn erzählt, dass es bis zu zwei oder drei Jahre dauert, bis man die deutsche Sprache kann. „Aber dann bekam ich eine Chance, die alles veränderte“, sagt Saleh Khalil Srouji und schmunzelt: Seine Bewerbung für einen Sprachkurs wurde angenommen. Der Direktor des Instituts zeigte sich verständnisvoll und erließ ihm unter anderem die Gebühren. „Ich nahm mir damals vor, wenn ich nicht innerhalb eines Jahres Deutsch kann, verlasse ich dieses Land“, sagt er. Zum Erstaunen einiger konnte er nach drei Monaten Deutsch und der Weg zum Studium stand offen. „Ich wollte zunächst in eine kleine Stadt, wo man nicht so anonym war“, sagt Saleh Khalil Srouji und schenkt Tee nach. Freiburg, Göttingen und Bamberg standen zur Auswahl. „In Bamberg habe ich sofort ein Zimmer gefunden, und die Stadt gefiel mir auch sehr gut“, begründete er seine Entscheidung. Er schrieb sich für das Studium der Anglistik, Amerikanistik und Volkskunde ein. Die ersten zwei Semester waren sehr hart. „Ich habe wegen des Dialekts sehr wenig verstanden und musste alles zu Hause nacharbeiten“, beschreibt er seine damalige Lage. Später Promovierte er in Arabistik und Islamwissenschaft an der Freien Universität in Berlin. Heute ist er neben seiner Tätigkeit als Dozent für Arabisch und Hebräisch an verschiedenen oberfränkischen Volkshochschulen und Arabisch an der Universität Bayreuth vor allem auch freier Schriftsteller. Er sieht seine Aufgabe darin, mit Hilfe der Sprache Brücken zwischen den Menschen zu schlagen. Die Sprache sei kann kaltes Medium, sie diene dazu, dass sich Kulturen austauschen können. „Dieses sich Austauschen muss schon in früher Kindheit beginnen.“ Dann fügt er hinzu: „Das Fremde entsteht durch das Nichtwissen über die ‚Anderen’. Die mangelnde Information führt dazu, dass wir uns bedroht fühlen. Diese Bedrohung löst Ängste aus, und dadurch entstehen unsere Vorurteile, unsere Ablehnungen...“. Nach seiner Meinung darf nur Kritik üben, wer Toleranz übt. Saleh Khalil Srouji hält es zudem für wichtig, dass Menschen verschiedene Sprachen lernen. Sein 10-Jähriger Sohn Khalil wird zweisprachig aufgezogen. Der Vater von Saleh Khalil Srouji hat gesagt: „Wenn du eine Sprache mehr kannst, bist du ein Mensch mehr.“ Aber reicht es aus, die Sprache eines Landes zu beherrschen, um eine Heimat zu finden? Im Gedicht „Nah, aber doch fern“, heißt es: „ich werde nach einer Heimat suchen, die meine Stimme aufnehmen kann. Aber wo wird das sein? Jenseits der Fremde..“.

                                                            (Interview von.: Maria Gerhard)

Infobox:

Für Interessierte: Seine letzte BuchveröffentlichungJenseits der Fremdeist ein deutsch-arabischer Gedichtband über Liebe, Sehnsucht, Heimat und Fremde.

Ebenso hat der Autor Saleh Khalil Srouji die CD „Zwischen Hier und Dort“ herausgebracht. Zu hören sind Gedichte auf Deutsch und Arabisch, untermalt mit arabischen Klängen des bekannten syrischen Musikers Samir Mansour aus Stuttgart.

18. November 2011   in E.T.A. Hoffman Gymnasium in Bamberg

Jenseits der Fremde mit Dr. Saleh Srouji und Samir Mansour

Eine deutsch-arabische Dichterlesung mit musikalischer Begleitung

„Zum Frieden, zur Freiheit und zur Gleichheit aller Menschen gibt es keine Alternative. Ich bemühe mich darum, diese Botschaft durch meine Poesie zu vermitteln.“ (Dr. Saleh Srouji)

Am 18. November 2011 öffneten sich für unsere gesamte Jahrgangsstufe Q11 die Tore zu einer für viele bis dahin völlig unbekannten Welt. Der aus Palästina stammende Autor Dr. Saleh Khalil Srouji, auf den das W-Seminar Deutsch aufmerksam geworden war, entführte sein Publikum nämlich unter musikalischer Begleitung von Samir Mansour in seine arabisch-deutsche Poesie.


Der in Hollfeld lebende Lyriker las aus seinem Gedichtband „Jenseits der Fremde“ vor, welcher von Fremde, die oft durch das Nichtwissen über den Anderen entsteht, von Liebe, dem höchsten Gut der menschlichen Seele, aber auch von Freiheit und Frieden, der Botschaft vieler seiner Gedichte, handelt. Gerade die Sprachvermischung der vorgetragenen Gedichte hat uns Schüler regelrecht verzaubert, denn für die meisten war es das erste Mal, dass sie den wundervoll melodischen Klang des Arabischen hören durften.


Neuland für viele waren aber auch die Klänge, welche der syrische Musiker und Komponist Samir Mansour seinen Instrumenten, wie beispielsweise der Oud (arabische Laute), dem Kanoun (Zither) und den arabischen Percussion-Instrumenten, entlockte. Seine Finger bewegten sich sogar so schnell über seine Instrumente, dass es für uns schier unmöglich war, seinem virtuosen Spiel zu folgen.

Am Ende des Vortrags hatten wir Schüler noch die Möglichkeit, den Künstlern Fragen zu ihrem Werk und ihrer Biographie zu stellen und erfuhren so, dass sich der Autor seine Lesungen ohne musikalische Begleitung überhaupt nicht vorstellen kann, denn für ihn ist Poesie immer mit Rhythmen und Melodie verbunden.

 

Fotos: A. Grillmeier und St. Thienel

An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an Herrn Srouji und Herrn Mansour: Danke, dass wir durch Sie einen Einblick in die unergründliche Weite der Poesie „jenseits der Fremde“ erhalten durften!

Lisa Schumm, W-Seminar Deutsch

Dr. Saleh Srouji 

28.01.2009

Ein Interview 

in: „ Ottfried - Die Bamberger Studentenzeitung“,
Ausgabe 64,  
28. Januar 2009

„Poesie schlägt Brücken“

Der in Nazareth geborene Palästinenser Saleh Srouji beeindruckt mit seiner deutsch-arabischen Poesie seit einigen Jahren seine Leser. Im Hinblick auf seine poetische Lesung, die am 12. Februar. 2009 um 19:30 Uhr im Cafe DaCaBo in Bamberg stattfinden wird, spricht er über seine Arbeit.

Ottfried: Fühlen Sie sich als Deutscher?

Saleh Srouji: Das ist keine einfache Frage und dann wieder doch. Ich bin in erster Linie ein Mensch und als Mensch fühle ich mich in Deutschland wohl. Im Wesentlichen versuche ich, das Gute und das Menschliche bei Anderen zu suchen, unabhängig von deren Kultur, Religion oder Herkunft. 

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Das führt zurück in meine Kindheit. Da es damals weder Fernsehen noch Computer gab, bin ich ausschließlich mit Büchern aufgewachsen. Das Lesen hat mich schon immer fasziniert, Bücher waren meine Welt. Es gab keine andere Möglichkeit zur Ablenkung. Zum Glück war ich eine Leseratte.

Wann haben Sie zum ersten Mal etwas selbst geschrieben?

Ungefähr mit zehn Jahren hab ich die ersten Versuche gemacht, das waren Briefe oder Reden. Dann habe ich irgendwann mit der Poesie begonnen und erste Gedichte geschrieben. Diese wurden auch in der Schule und  im Kreise der Familie vorgetragen. Später gab es auch Clubs für Teenager. Hier konnte man schreiben und veröffentlichen.  

Kann man das Schreiben lernen?

Man kann es sich nur bedingt aneignen. Die Frage ist, was man schreiben will. An der Universität lernt man zum Beispiel auch wissenschaftliche Arbeiten zu verfassen. Jeder kann es versuchen. Was nicht so einfach ist, ist das literarische Schreiben, insbesondere die Poesie. Das ist eine besondere Begabung und eine Art Berufung. Für mich sind das Situationen, die nicht zu erklären sind. Bei der Poesie braucht man eine andere innere Temperatur, da setzt man sich nicht einfach an den Schreibtisch. Das muss man fühlen und das ist auch mit Schmerzen verbunden. Wie eine Geburt.

Wann wurde der erste Poesieband veröffentlicht?

2006 kam mein erster zweisprachiger Band heraus mit deutsch-arabischen Texten. Ich schreibe grundsätzlich in beiden Sprachen. Für mich ist das eine spannende Möglichkeit, eine Brücke zwischen den Menschen zu schlagen. Mein Anliegen oder mein literarischer Anspruch ist die Herzen der Menschen zu berühren und diese glücklich oder traurig zu stimmen und zum Nachdenken zu bewegen. Ich möchte vermitteln, dass wir am Ende alle nur Menschen dieser Erde sind.

Was ist ihr Traum?

Mein Traum ist es, dass die Menschen in Frieden miteinander leben und sich in ihrer Andersartigkeit gegenseitig tolerieren und akzeptieren. Das sollte nicht nur in meiner Heimat so sein, sondern überall auf der Welt.

Wie ist das für Sie den Konflikt im Nahen Osten aus der Ferne zu sehen?

Es tut weh, dass dir Kriege immer weiter gehen. Es sind traurige und hilflose Gefühle und die Frage nach dem Warum taucht immer wieder auf.

Im Friedensprozess hat man die Freude der Menschen auf den Straßen dort gespürt. Der größte Wunsch der Mehrheit  der Bevölkerung in dieser Region ist, dass endlich Frieden einkehrt. Jedoch bezweifele ich, dass dies auch der Wunsch der jetzigen an der Macht sitzenden Politiker ist.

Was treibt Sie an weiter zu schreiben?

Die Liebe treibt mich an. Meine ganze Sehnsucht gehört Liebe, Frieden und Freiheit. Das versuche ich in meiner Poesie auszudrücken.

Interview: Nicole Flöper

Dr. Saleh Srouji 

23.01.2009

 Zwei Wünsche eines Dichters aus Nazareth

Zwei Wünsche eines Dichters aus Nazareth Saleh Khalil Srouji schreibt, um die Menschen zu verbinden - Kenner der Probleme Israels.



Im kleinen Hollfeld wohnt ein Dichter aus Nazareth: Saleh Khalil Srouji. Er ist Palästinenser mit israelischem Pass, studierte lange in Bamberg, promovierte in Berlin über das Verhältnis der Palästinenser zu den Juden - und ernährt jetzt seine kleine Familie mit Sprachkursen in Arabisch und Hebräisch. Dafür fährt er bis Lichtenfels und Bayreuth, «denn das Dichten ist einfach eine brotlose Kunst; die Ideale tragen einen».
HOLLFELD - Saleh Srouji wuchs in Nazareth auf, das wie andere arabische Gemeinden von den Israelis seit jeher abhängig gehalten werde. «Wir haben nicht die gleichen Möglichkeiten wie die jüdische Bevölkerung.» Aber seine Stadt sei ein Beispiel dafür, sagt Saleh Srouji, dass friedliches Zusammenleben möglich ist.
Israels Krieg im Gazastreifen diene nur dazu, den Gesichtsverlust von 2007 auszugleichen, als die Politiker im Libanon verloren. Und er soll den drohenden Wahlsieg der Likud-Partei verhindern. Eine korrupte Politik habe jetzt, gestützt auf amerikanische Waffenlobbyisten, den Präsidentenwechsel in Amerika genützt und in diesem Machtvakuum den sinnlosen Krieg begonnen. Die gegnerische Hamas, einst von Israel gefördert, um Arafat zu stören, sei nicht der wirkliche Anlass. «Es geht darum, egoistische Ziele zu befriedigen. Es macht mich traurig, das als Schriftsteller aus der Ferne zu beobachten.»


«Musik fasziniert mich»

Saleh Srouji forschte drei Jahre vor Ort im Krisengebiet und schrieb darüber. Er erlebte 1993 das Aufatmen der Menschen, als das Oslo-Abkommen Frieden versprach. Er war im Land, als Jitzchak Rabin erschossen wurde. Seitdem versucht er, mit seiner Poesie Brücken zu bauen. «Ich bin der einzige Dichter in Deutschland, der zweisprachig schreibt. Ich verbinde etwas in der Seele.»
Er begann mit zehn Jahren zu schreiben, angeregt vom Vater, der seine Kinder bei jedem Gast anhielt, eine gefühlvolle, malerische Begrüßung zu halten. In der Schule wurde dann sein Talent zum Vortragen entdeckt: Srouji führt es auf die Musik in seinem Herzen zurück. «Musik fasziniert mich. Ich kann ohne sie nicht leben. Arabische Poesie hat Musik.» Später las er alle großen europäischen Schriftsteller in arabischer Übersetzung und bewunderte besonders Nizar Gabbani, den syrischen Revolutionär der Worte, der gegen den Strom schwamm, sowie Mahmoud Darweesh. «Er ist Palästinenser, einer der großen Dichter des 20. Jahrhunderts. Seine Art zu schreiben, wollte ich mit eigener Stimme übernehmen.»


Empfindsam für alles

Saleh Srouji wartet, wenn er dichtet, bis Symbolik und Bilder auftauchen. «Ich bin sensibel für alles, für die Bewegung der Bäume, der Tiere, der Schneeflocken, der Musik. Manchmal hab ich das Gefühl, als ob die Inspiration von oben kommt. Das kann im Auto beginnen, beim Spazieren im Wald. Ich versuche, diese Bilder zu behalten. Ich brauche aber nicht unbedingt Ruhe, um ihnen Form zu geben, sondern eine bestimmte innere Temperatur. Bei Tod und Schmerz lass’ ich die Dinge erst einmal eine Zeitlang laufen, bis diese Temperatur wieder normal ist.»
Seine Gedichte sollen zum Nachdenken anregen und die Menschen aufwecken. Er will mit ihnen nicht berühmt werden, «sondern ich schreibe, weil mir danach ist». Sein nächster Band soll «Friede, Freiheit und Liebe» heißen, «denn die Liebe ist das A und O, egal wie man sie definiert».
Hätte Saleh Srouji einen Wunsch frei - was wünscht er sich? «Ich hätte zwei Wünsche», sagt er. «Der eine ist, dass Friede in unserer Region und bei vielen Völkern ist. Bei uns sind die Flüchtlinge und die Siedlungen eine wichtige Friedensfrage. Die Flüchtlinge und Jerusalem sind lösbar, aber die Siedlungen sind ein großes Problem.»
Sein anderer Wunsch ist, «einfach so weiterschreiben zu können». Er spürt Unruhe in sich. «Ein weiteres Buch muss kommen.» Das größte Glück ist dann, die eigenen Zeilen so zu empfinden, als habe sie ein anderer geschrieben - und toll geschrieben. «Dann bin ich zufrieden.»
Von Saleh Srouji erschienen bisher «Emil Habibi - ein arabischer Literat aus Israel» (1993) und «Jenseits der Fremde» (Gedichte, 2006, im Erich Weiß-Verlag)    

Quelle: Nordbayerische Nachrichten für Pegnitz und Auerbach

THOMAS KNAUBER,  23.1.2009

Dr. Saleh Srouji 

12.12.2008

Unendlich wie Wasser  

Bei einer Lesung im Iwalewa-Haus verschmolzen Orient und Okzident

Das Iwalewa-Haus, das Afrika-Zentrum der Universität Bayreuth, ist ein Treffpunkt für verschiedene Nationalitäten und ein Ort des Brückenschlags zwischen den Kulturen. Dies wurde bei der Lesung des palästinensischen Autors Saleh Srouji in mehrfacher Hinsicht deutlich. Vor dem Hintergrund der „Plastic Indianer“ des deutschen Künstlers Bernhard Springer stellte der in Hollfeld lebende Dichter in deutscher und arabischer Sprache bekannte und neue Gedichte vor. Musikalisch wurde er begleitet von dem palästinensischen Lautspieler Samir Mansour und der Bayreuther Musikpädagogin Angelika Schneider. Im Iwalewa-Haus entstand eine wärmende Verschmelzung zwischen Orient und Okzident, welche die zahlreich erschienenen Gäste für gut zwei Stunden verzauberte.

            Bevor Saleh Srouji jedoch mit der eigentlichen Lesung begann, legte er den Zuhörern seine Vorstellung von Poesie und ihre Aufgabe dar. Denn „Poesie kann sich nicht mit der Gewalt abfinden“, so Srouji. Sie hat das Recht, einen „lebenskräftigen Raum für Gerechtigkeit zu schaffen“. Dichtung sei häufig der Ausdruck der Verzweiflung des Dichters. Im Gegensatz zu der Endlichkeit des menschlichen Daseins, träume jeder Dichter von einer Poesie, die so „unendlich ist wie Wasser“. Denn Poesie hat auch eine unendliche Kraft und sie kennt keine Grenzen, führte der Dichter aus.

            So wenig die Poesie Saleh Sroujis Grenzen kennt, so grenz- und kulturübergreifend ist auch die Musik von Samir Mansour, der seit neun Jahren in Deutschland lebt und sich selbst als „Botschafter der orientalischen Musik“ versteht. Der Musiker wurde in Damaskus geboren, wo er am Konservatorium Musik studierte. Er spielt Oud, Tuba, Kanun und Trommel in verschiedenen Orchestern, unter anderem im Palästinensischen Jugendsymphonieorchester, das von dem Dirigenten, Pianisten und Generalmusikdirektor der Staatsoper Berlin Daniel Barenboim gefördert wird. Zwischen den einzelnen Gedichten von Saleh Srouji spielte Samir Mansour verschiedene Musikstücke auf der Laute. Abwechselnd wurde er dabei von Angelika Schneider auf der Querflöte begleitet und die beiden Musiker improvisierten zu den Texten von Saleh Srouji, in deren Mittelpunkt der Friede, aber auch die Liebe steht, die Chaos, Krieg und Gewalt zu überdauern in der Lage ist.

            Aus gesundheitlichen Gründen musste das Schattentheater von Dalal Makari-Pausch ausfallen, das dieser Lesung eine zusätzliche Erweiterung hatte geben sollen. Dies tat jedoch der Intensität und der Dichte dieses poetischen Abends im Iwalewa-Haus keinen Abbruch. Der Klang der Worte, insbesondere der arabischen Sprache, und der Musik stellten ihrerseits eine Verschmelzung dar, die fesselte. Dies wurde insbesondere in dem letzten Gedicht des Abends „Nah, aber doch fern“ deutlich. Der Text ist in Dialogform geschrieben und Saleh Srouji trug diesen gemeinsam mit Samir Mansour vor, der seinerseits die einzelnen Passagen in Musik und Gesang umsetzte.

Es sei ihnen ein Anliegen, so hatte es Saleh Srouji zu Anfang formuliert, die „Herzen der Menschen zu berühren“. Der warme Applaus am Ende des Abends ist ein Indiz dafür, dass dem Dichter und den beiden Musikern dies zweifelsohne gelungen ist. pit Nordbayerischer Kurier – Bayreuth 



Dr. Saleh Srouji

15.10.2008

Poetische Schatten, musikalische Lyrik

Schauspielerin Dalal Makari-Pausch veranstaltet orientalischen Abend in Regionalbibliothek

"Bis ans Ende der Sehnsucht" - das waren zugleich Titel und letzte Worte des poetischen orientalischen Abends im "Schattentheater" am Samstag.

Vierzig Besucher genossen bei der Veranstaltung der Volkshochschule nicht nur die Atmosphäre bei gedämpftem Licht und im Dekor von damaszenischen Tüchern im Saal der Regionalbibliothek. Bei den niveauvollen Darbietungen palästinensischer Kultur für Auge und Ohr von Musiker Samir Mansour, Dichter Saleh Srouji und Schattentheater-Schauspielerin Dalal Makari-Pausch kam auch der Gaumen nicht zu kurz.

Temperament Arabiens

Dalal Makari-Pausch, die seit acht Jahren in Weiden lebt, servierte den Gästen neben Nüssen, Oliven und Trauben auch hausgemachte syrische Spezialitäten wie Mehmara und Satar, sowie arabischen Kaffee mit Kardamom.Der syrische Lautenist Samir Mansour entlockte seinem kurzhalsigen arabischen "Oud" die ganze Mystik und das Temperament Arabiens. Damit verband er die poetischen Texte Saleh Sroujis aus dem Gedichtband "Jenseits der Fremde" über die Liebe und die Sehnsucht nach der Heimat Palästina. Srouji rezitierte seine Poeme ("die Karawane meiner Buchstaben") zunächst auf Hocharabisch, bevor seine kongeniale deutsche Übersetzung folgte.

In seinem Poem zu Jerusalem sprach Srouji über "Al Quds, Habibi" ("mein Liebling"). Die ergreifenden Dialoge aus Wort und Klang wurden durch abstrakte und konkrete farbige Schattenbilder ergänzt: Hinter einer Leinwand hantierte Dalal Makari-Pausch geschickt mit Taschenlampen, einem Overheadprojektor und Scherenschnitten, die symbolisch den Gedichtinhalt unterstrichen und in bewegten Bildern umsetzten.

Ensemble-Premiere

Als Gastmusiker steuerte Christian Geißendörfer aus Selb zu Gitarrenklängen das von ihm vertonte Gedicht "Wir reisen, wir alle" des 2008 verstorbenen Mahmoud Darwish, "der poetischen Stimme Palästinas", bei.

Zum Schluss fand sich das palästinensische Trio Mansour, Srouji und Makari-Pausch, das mit dem Abend seine beeindruckende Ensemble-Premiere feierte, zu dem traurig-sehnsuchtsvollen Lied "Wattani" zusammen.

Der neueTag Weiden-Oberpfalz

Dr. Saleh Srouji 

Ein Abend mit dem Autor - voller Poesie
auf der interkulturellen Woche
in Kulmbach - 2007

 
Buchbesprechung von Barbara van Broekhoven
 "Jenseits der Fremde"

Gedichte in Arabisch und Deutsch
auf der EAF in München


Deutsch-arabische Lesung von Saleh Srouji
im Iwalewa-Haus
in Bayreuth - 2006


 
Saleh Srouji  -  der lyrische Brückenbauer.
Er appelliert an Erfahrungen und Gefühle,
 die (fast) alle Menschen teilen:

" Nimm den Satz! Zerteile ihn und baue aus ihm eine Brücke!
Und wenn sie wackelig sein sollte, nimm meinen Körper
 und schreite über mich, damit du zu deinem ersehnten
 Ufer - hinübergehen kannst ..."

Buchvorstellung: "Jenseits der Fremde"
in Bamberg -
2006


Saleh Srouji bei der Interkulurellen Woche
in Kulmbach - 2007